Das Viadukt am Herrenberg zählt zu den drei Brücken auf der polnischen Seite des Muskauer Parks. Es entstand im Jahr 1862 auf Initiative des Prinzen Friedrich der Niederlande als Bauwerk aus Backstein und Glasschlacke. Es ermöglicht die Überquerung einer tiefen Schlucht. Gemeinsam mit der Königsbrücke und der Arkadenbrücke bildet es ein eindrucksvolles Brückenensemble, das verschiedene Landschaftsteile verbindet und sich zugleich in das durchdachte Wege- und Kompositionssystem des Parks fügt.
Das Viadukt ist nicht bloß ein technisches Bauwerk, sondern vor allem ein Element der Landschaftskulisse. Es taucht unvermittelt zwischen den Bäumen auf, führt durch schattige Parkräume und eröffnet neue Perspektiven. Von seiner Oberseite aus bieten sich weitläufige Ausblicke, während es von unten betrachtet seine Monumentalität offenbart und einen prägnanten Akzent im Raum setzt. In beiden Fällen verändert es die Perspektive sowie die Wahrnehmung der Umgebung.
Seine Form dominiert keineswegs die Natur, sondern unterstreicht die Topografie und lenkt den Blick des Besuchers. Dadurch wird es zum Teil eines Landschaftsbildes, das sich mit der Bewegung des Spaziergängers wandelt. Im Muskauer Park ist die Architektur kein Selbstzweck, sondern dient der Intensivierung des Landschaftserlebnisses. Das Viadukt wurde im Jahr 2019 aufwendig restauriert, sodass es heute wieder in seiner ursprünglichen Gestalt bewundert werden kann.
Das Innere des Bauwerks birgt einen im Inneren verlaufenden Ziegelgang, der während des Zweiten Weltkriegs vermutlich als Sanitätsstation genutzt wurde. Derzeit bleibt er verschlossen und wird nur zu besonderen Anlässen im Rahmen von Führungen zugänglich gemacht.