Der Pückler-Stein befindet sich an einem der bedeutendsten Aussichtspunkte des Muskauer Parks, am Rand der östlichen Terrasse des Neißen-Tals. Dieser Ort spiegelt perfekt die Grundidee der gesamten Anlage wider, wonach der Park nicht nur eine Ansammlung einzelner Objekte ist, sondern vor allem eine durchdachte Landschaftskomposition, die wie ein sich bewegendes Gemälde oder eine Galerie von Landschaftsbildern wirkt.
Ursprünglich plante der Fürst, hier einen kleinen „Tempel der Beharrlichkeit“ mit einer Büste von König Friedrich Wilhelm III. zu errichten. Dieser Tempel sollte die Charakterstärke symbolisieren und den Zeitgenossen als Vorbild dienen. Dieses Projekt wurde jedoch nie verwirklicht. Im Jahr 1901 stellte die Familie von Arnim an dieser Stelle einen schlichten Findling mit einem bronzenen Medaillon auf, das den Schöpfer des Parks, Fürst Pückler, darstellt und an ihn erinnert.
Die schlichte Form des Denkmals fügt sich perfekt in die Landschaft ein, ganz nach dem Grundsatz, dass Architektur den Ausblick unterstreichen und nicht dominieren sollte. Der Stein zieht die Aufmerksamkeit nicht auf sich selbst, sondern lenkt sie auf das Tal und die räumliche Anordnung des Parks. Gerade der Ausblick wird hier zum Kunstwerk, während das Denkmal als Ort des Innehaltens und der Betrachtung dient.
Die Geschichte des Steins spiegelt auch die Geschichte der Region wider. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er versetzt und als Denkmal zu Ehren der gefallenen sowjetischen Soldaten im nahegelegenen Łęknica genutzt, um schließlich Anfang der 1990er-Jahren an seinen ursprünglichen Standort zurückzukehren.
Heute symbolisiert er nicht nur das Andenken an den Schöpfer des Parks, sondern auch die Wiederbelebung der Anlage und die Wiederherstellung ihrer kompositorischen Einheit. Denn obwohl sich der Park auf dem Gebiet zweier Staaten befindet, bildet er ein einziges, vollständiges Landschaftswerk.