Auf einer weitläufigen, malerischen Lichtung steht der wahre König des hiesigen Baumbestands. Dieser monumentale Baum gehört zu den dicksten Stieleichen in Polen. Obwohl kein Exemplar im Park den offiziellen Status eines Naturdenkmals besitzt – da das gesamte Gebiet als UNESCO-Weltkulturerbe unter Schutz steht –, nimmt dies der Eiche nichts von ihrer majestätischen Ausstrahlung und ihrer einzigartigen Stellung. Ihre Ausmaße sind beeindruckend: Sie hat einen Umfang von über 8,5 Metern und ist etwa 28 Meter hoch. Experten schätzen ihr Alter auf fast 500 Jahre. Das bedeutet, dass sie lange vor der Geburt des Fürsten Pückler gekeimt ist, der ihr später ihren Namen gab und ihr eine wichtige Rolle in der Gestaltung des Parks zuwies.
Die sehr breite, ausladende Krone lässt darauf schließen, dass der Baum den größten Teil seines langen Lebens auf der offenen Fläche einer ehemaligen Weide wuchs und nicht in einem dichten, schattigen Wald. Die Parkhistoriker haben jedoch bis heute Schwierigkeiten, die Identität dieses Exemplars zu bestimmen. Auf Karten aus dem 19. Jahrhundert erstreckte sich nämlich entlang des Weges eine Reihe von drei Bäumen, die als „Odins Eichengruppe“ bezeichnet wurden. Ihre Standorte werden auf den recht schematischen Plänen sehr unterschiedlich dargestellt. Aufgrund veränderter Wegverläufe, der Verbuschung ehemaliger Lichtungen und des wahrscheinlichen Verlusts einzelner Exemplare lässt sich kaum eindeutig feststellen, welche der bis heute in diesem Teil des Parks erhaltenen uralten Bäume zu den historischen Odin-Eichen gehören könnten. Diese Ungewissheit schmälert jedoch in keiner Weise die Bedeutung und Symbolik dieses Ortes.
Und doch ist dies das Reich Odins – des nordischen Gottes des Krieges und der Krieger, zugleich aber auch des Gottes der Weisheit, der Macht, der Poesie und der Magie. Die uralte Eiche scheint all diese Eigenschaften zu verkörpern. Sie trägt deutliche Spuren der Zeit, die ihr ein außerordentlich würdevolles Aussehen verleihen. Der massive Stamm ist mit zahlreichen Verdickungen, Auswüchsen, Knollen, Moosen und Flechten bedeckt. Auf der Westseite klaffen zwei imposante Höhlen im Stammfuß, und das aus ihnen herausquellende Mulm-Material ist das Ergebnis der Tätigkeit von Pilzen, die das Innere des Stammes zersetzen. Obwohl ihr Kern langsam verrottet, wird der allgemeine Gesundheitszustand des Baumes weiterhin als zufriedenstellend eingestuft, und das Exemplar selbst wird ständig überwacht.