Die Kirchenruine im Bergpark zählt zu den ältesten und faszinierendsten Orten der gesamten Anlage. Die romanische Kirche, vermutlich im 12. Jahrhundert im ehemaligen Dorf Berg errichtet, diente über Jahrhunderte als Pfarrkirche. Nach 1785 wurde sie nicht mehr genutzt und verfiel allmählich. Für die späteren Schöpfer des Parks, allen voran für Fürst Pückler, stellte sie jedoch keineswegs bloß ein Zeichen des Verfalls dar, sondern ein bewusst eingesetztes Element der Landschaftskomposition.
Die Ruine wurde im Geiste der Romantik in die Parkstruktur eingebunden – als Ausdruck des Ideals, in dem sich Schönheit mit Vergänglichkeit verbindet und die Natur schrittweise den einst vom Menschen beanspruchten Raum zurückgewinnt. Die erhaltenen Mauerfragmente sollten die Umgebung nicht mehr dominieren, sondern mit ihr verschmelzen und so einen Raum von ganz eigener Stimmung erzeugen. Der Spaziergänger erlebt hier einen spürbaren Wandel des Landschaftsbildes und der Atmosphäre – den Übergang in einen geschlossenen, stillen Ort der Einkehr.
Die Ruine wirkt wie ein natürlicher Rahmen für die Landschaft. Durch ihre Öffnungen und die Konturen des Mauerwerks werden Ausschnitte von Grün, Himmel und Licht sichtbar, die sich zu wie gerahmten, nahezu malerischen Blicken fügen. Auf diese Weise bleibt die Architektur selbst im Zustand des Verfalls Teil der lebendigen Gesamtkomposition.
Dieser Ort erinnert daran, dass im Muskauer Park keineswegs nur Bauwerke von Bedeutung sind, sondern ebenso deren Fehlen sowie die Spuren der Vergangenheit. Die Landschaft wird hier zu einer Erzählung über Zeit, Verlust, Fortbestehen und Erinnerung.