Die Hermannseiche zeugt bis heute durch die Überreste ihres verkohlten Stammes von ihrer Größe. Seit 1993 wächst in ihrem Inneren ihr Nachfolger – der „junge Hermann“. Als Fürst Pückler mit der Gestaltung des Parks begann, stieß er auf uralte, mächtige Eichen, die damals etwa 300 Jahre alt gewesen sein dürften. Der Schöpfer des Muskauer Parks begegnete ihnen mit großem Respekt und integrierte sie in die Anlage, wobei er sie oft zu Blickpunkten, landschaftlichen Akzenten und Sichtachsen machte.
Den prächtigsten unter ihnen gab er Namen, die manchmal auf seine eigene Biografie, manchmal auf nordische Gottheiten aus der Mythologie und manchmal einfach auf ihren Standort Bezug nahmen. Hermanns Eiche erhielt einen ganz besonderen Rahmen. Der Schöpfer stellte neun Steinsitze um sie herum auf und schuf eine Legende um diesen Ort, wobei er sich auf die altgermanischen Versammlungen der Ältesten – das „Ting“ – bezog.
Die Faszination des Fürsten für die Vergangenheit, Mythologien und Legenden inspirierte häufig sein Schaffen. Die malerische Gestaltung der Komposition verleiht diesem Ort eine fast magische Dimension, die sich in die romantische Vorstellung einfügt, die Welt durch Emotionen wahrzunehmen.
Schon der Name der Eiche ist vieldeutig – er kann sich sowohl auf den Schöpfer des Parks, Hermann von Pückler-Muskau, als auch auf dessen Großvater, Hermann von Callenberg, beziehen, der dem zukünftigen Fürsten in dessen Jugend von allen Familienmitgliedern die meiste Aufmerksamkeit schenkte und sich um seine Ausbildung kümmerte.
Die Legende dieses Ortes wächst auch heute noch weiter. Die Einheimischen nennen diese Stelle manchmal „Galgen“.