Das Grab des Unbekannten gehört zu den geheimnisvollsten und zugleich symbolträchtigsten Orten im Muskauer Park. Die Entstehung dieser Idee reicht in das Jahr 1832 zurück, als – wie die Überlieferung besagt – bei Gartenarbeiten die Gebeine eines jungen Mannes gefunden wurden. Fürst Pückler ließ diese erneut beisetzen und nutzte das Ereignis als Ausgangspunkt für ein Element seiner sentimentalen Komposition. Auf diese Weise wurde das Geschehen in eine bewusst inszenierte Erzählung von hoher emotionaler Wirkung verwandelt, die zum Nachdenken über Vergänglichkeit, das menschliche Schicksal und das Geheimnis der Vergangenheit anregen sollte.
Die Anordnung von Grabstätte, Kreuz, Steintisch und Steinbank bildet einen geschlossenen Raum der Einkehr. Obwohl die durchgeführten Restaurierungsarbeiten den Wahrheitsgehalt dieser Geschichte nicht bestätigten und hier keinerlei Gebeine gefunden wurden, liegt die wahre Bedeutung dieses Ortes gerade in der Andeutung. Jeder Besucher entwickelt seine eigene Interpretation, und die Landschaft wirkt hier nicht nur auf das Auge, sondern auch auf die Vorstellungskraft und die Emotionen. Das Grab fügt sich in die Idee des Parks als eine Erzählung ein, die sich erst in der Bewegung erschließt. Nach den offenen Panoramen folgt hier ein Moment des Innehaltens und der Besinnung.
Das Grab des Unbekannten wurde während des Krieges zerstört und im Jahr 2015 anhand historischer Materialien rekonstruiert. Unabhängig davon, ob die ursprüngliche Geschichte wahr ist, zeugt seine Existenz von der Denkweise des Fürsten Pückler. Der Park sollte nicht nur schön sein, sondern vor allem berühren. Dies ist einer der Orte, an denen sich die Idee der Landschaft als Erlebnis und als ein sich mit der Wahrnehmung des Besuchers veränderndes Bild offenbart. Der Muskauer Park ist nicht nur eine räumliche Komposition, sondern vor allem eine Erzählung – eine Erzählung, die zum Nachdenken anregen und Emotionen wecken soll.