Von den drei das Schloss umgebenden Gärten bezaubert der Blaue Garten durch seine besonders intime Atmosphäre. Dieser geborgene Raum, der als Salon im Freien fungierte, war ein integraler Bestandteil der Residenz. Er diente der Erholung, müßigen Gesprächen, der Kontemplation der Natur sowie der nachmittäglichen Entspannung. Als natürliche Erweiterung der Innenräume des Schlosses bot der Garten ideale Bedingungen für tägliche Spaziergänge, deren reizvollen Höhepunkt die Liebesbank auf dem nahe gelegenen Hügel bildete.
Den Charakter des Gartens unterstrich eine ausgeprägte Farbgestaltung, die in anderen Teilen des Parks nicht anzutreffen war. Elemente der Gartenarchitektur wie Brücken, Bänke und Dekorationen waren in Blau- und Weißtönen gehalten. Die Wahl dieser Farben war kein Zufall – sie nahmen sowohl Bezug auf die Ästhetik der Epoche als auch auf das Blau der fürstlichen Flagge und verliehen dem Ort eine zusätzliche, symbolische Dimension. Durch den Garten fließt die Hermanns-Neiße, und seine geschlossene Form erzeugt den Eindruck eines geschützten, nahezu wohnlichen Raumes.
Der Blaue Garten bildet einen Kontrapunkt zu den weitläufigen Panoramen des Parks; er ist ein Ort der Stille, der Besinnung und des Blickes für das Detail. Als einer der zahlreichen „Salons im Freien“ fügt er sich in eine schlüssige, größere Gesamtkomposition ein. Beim Spaziergang durch den Garten lässt sich ein Wechsel des Maßstabs und eine von anderen Teilen der Anlage abweichende Stimmung erleben – ein Übergang vom offenen zum kameralen Raum und wieder zurück.
Nach Jahren der Umgestaltung und Vernachlässigung wurde der Garten teilweise wiederhergestellt, sodass sein ursprünglicher Charakter von Neuem durch seine Klarheit begeistert. Dieser Ort beweist, dass der Muskauer Park keineswegs nur aus monumentalen Panoramen besteht. Ihn bilden ebenso vielfältige, intime Räume – jeder mit seiner ganz eigenen Atmosphäre, und doch fügt sich jeder zugleich zu einem stimmigen Ganzen zusammen.