Das Arboretum im Muskauer Park gehört zu den interessantesten Bereichen im östlichen Teil der Parkanlage. Es ist eine Weiterentwicklung der Idee des Parks als Verbindung von Kunst, Natur und Gartenbau. Es entstand in den Jahren 1857–1867 auf Initiative von Eduard Petzold, einem Schüler des Fürsten, und des Dendrologen Georg Kirchner – bereits nach dem Verkauf des Anwesens durch Pückler. In seiner Blütezeit gehörte es zu den größten Baumsammlungen Europas und umfasste über 290 Baumarten und deren zahlreiche Sorten auf einer Fläche von mehr als 50 Hektar.
Es handelte sich jedoch nicht lediglich um eine Ansammlung von Pflanzen. Das Arboretum stellte eine durchdachte Landschaftsstruktur dar, in der die verschiedenen Arten entsprechend ihrer Form, Farbe und Wachstumsgeschwindigkeit angeordnet wurden. Das natürlich hügelige Gletscherrelief wurde als Gestaltungselement genutzt, um einen Raum zu schaffen, in dem botanische Vielfalt und Landschaftsästhetik miteinander verschmelzen. Die Bäume bildeten hier aufeinanderfolgende Blickachsen, wie in einem Landschaftsgemälde. Der Spaziergang wurde so zu einem Erlebnis der schrittweisen Entdeckung des Raums und der Vegetation.
Im Laufe der Zeit wurde das Arboretum teilweise zerstört und umgestaltet, bis es schließlich fast vollständig zugewachsen war. Dennoch sind hier noch viele wertvolle Exemplare erhalten geblieben. Dieser Ort zeugt nach wie vor von groß angelegten botanischen Experimenten und intensiver gärtnerischer Arbeit.
Das Arboretum zeigt, dass der Muskauer Park kein statisches Werk, sondern ein lebendiger Organismus ist. Die Arbeit mit der Natur ist keine fertige oder abgeschlossene Komposition, da sich die Vegetation im Laufe der Zeit verändert, wächst und den Raum ständig umgestaltet. Es handelt sich um einen künstlerischen Raum, in dem Wissenschaft und Schönheit aufeinandertreffen und ein „lebendiges Bild“ der Landschaft sowie zugleich eine bewusst gestaltete „Baumuniversität“ schaffen.